Taten verhindern bedeutet Leid verhindern
„Wenn wir als Verband verantwortlich leben und solidarisch handeln und das als Teil der Gesellschaft, dann gehört die Prävention von sexualisierter Gewalt zu unseren ureigensten Aufgaben“, sagt Johannes Norpoth, Mitglied im Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz, zu den über 70 Delegierten bei der Kolping-Diözesanversammlung am 25. April 2026 im Kolpinghaus in Augsburg. Dass Prävention eine „Pflichtaufgabe für alle Verantwortlichen im Verband“ ist, wie Norpoth sagt, zeigen die Delegierten, indem sie für das Kolpingwerk Diözesanverband Augsburg ein Institutionelles Schutzkonzept (ISK) zur Prävention sexualisierter Gewalt beschließen.
Prävention braucht Haltung
Die Frage, warum es Prävention und Schutzkonzepte braucht, begründet Norpoth mit der Feststellung: „Jede verhinderte Tat bedeutet vor allem: kein lebenslanges Leid für Opfer und Angehörige!“ Gerade weil Missbrauch kein ausschließliches kirchliches, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem sei, brauche es wirksame, gesellschaftliche Kräfte, die dieses Problem deutlich benennen und sich ihm entgegenstellen. „Sexualisierte Gewalt ist immer ein Angriff auf die ganze Person des Menschen, auf ihr Grundvertrauen sowie ihre psychische und körperliche Unversehrtheit und steht unserem christlichen Menschenbild diametral entgegen“, stellte Norpoth fest, der Kolpingmitglied ist und sich auf unterschiedlichen Ebenen im Verband engagiert hat. Prävention muss nach Norpoth über das bloße Abarbeiten von Vorschriften hinausgehen; sie braucht Haltung, Transparenz, Betroffenenorientierung und institutionelle Verbindlichkeit.
Eine Projektgruppe mit Theresia Baier, Maria Betz, Thomas Ermisch, Christian Michl, Michael Ritter und Levin Salanga hat nach einer Schutz- und Risikoanalyse in einem Prozess und im Dialog mit dem Diözesanvorstand das Institutionelle Schutzkonzept entwickelt. Nachdem Michael Ritter das Schutzkonzept vorgestellt und Fragen aus dem Plenum beantwortet hatte, beschloss die Versammlung das ISK.
Time for Change – Zeit für Veränderung
Veränderungen im Ehrenamt, schnell wechselnde Themen und Inhalte sowie abnehmende Ressourcen nennt Kolping-Diözesanvorsitzender Robert Hitzelberger als Gründe dafür, dass der Diözesanvorstand eine Änderung der Satzung beantragt hat. Durch die Verkleinerung des Diözesanvorstandes bei gleichzeitiger Streichung des Diözesanpräsidiums und durch die Einführung eines Diözesanforums will der Diözesanvorstand auf die veränderten Gegebenheiten reagieren. Der künftig auf maximal zehn Personen beschränkte Vorstand soll durch das Diözesanforum als Koordinations-, Resonanz-, Ideen- und Beratungsgremium unterstützt werden. Die vom Diözesanvorstand auf zwei Jahre berufenen Mitglieder des Forums sollen mindestens zweimal im Jahr tagen und eine Schnittstelle zwischen der leitenden Arbeit des Diözesanvorstandes und der inhaltlichen Arbeit im Diözesanverband bilden. Mit der Satzungsänderung wurden auch weitere Themen beschlossen, wie zum Beispiel die Einführung eines Diözesanfinanzausschusses zur Beratung des Vorstands in wirtschaftlichen Fragen. Im kommenden Jahr soll nach der geänderten Satzung der Diözesanvorstand neu gewählt werden.
Mechthild Gerbig als Regionalbeauftragte gewählt
Mechthild Gerbig (66) aus der Kolpingsfamilie Schongau freut sich darauf, im kommenden Jahr die Entwicklung des Diözesanforums zu begleiten und neue Konzepte zur Anbindung der Kolpingsfamilien und Bezirke an den Diözesanvorstand zu entwickeln. Gerbig, die bereits von 2012 bis 2019 dem Diözesanvorstand als stellvertretende Diözesanvorsitzende angehörte und bei Projekten wie „Fremde werden Freunde“ mitgewirkte, wurde von der Versammlung einstimmig als Regionalbeauftragte für die beiden Bezirke Altbayern/Paargau und Würmseegau gewählt und nahm die Wahl an.
175 gute Taten
Die Projektgruppe „175 gute Taten“ lädt die Teilnehmenden der Diözesanversammlung ein, an einer Pinnwand Ideen für das Jubiläumsprojekt des Diözesanverbandes zu sammeln. Genannte wurden unter anderem: Osterkörbchen für alleinstehende Menschen, Obstbäume pflanzen, ein Weihnachts-Wünsche-Baum, der Bau einer Sitzgelegenheit als Begegnungsort in der Nähe eines Seniorenzentrums, eine Thermomix-Charity-Party, ein Waldprojekt mit Naturmaterialien, eine Müllsammelaktion, eine kostenlose Theateraufführung der Kolpingsfamilie für bedürftige Menschen sowie eine Lesepatenschaft. Der Diözesanvorstand hat sich zum Ziel gesetzt, zwischen September 2026 und Juli 2027 aus Anlass des 175-jährigen Jubiläums von Kolping in der Diözese Augsburg gute Taten zu sammeln, um die Welt ein Stück besser zu machen.
Auch die Messfeier in der Mitte des Tages in der Pfarrkirche St. Georg in Augsburg greift die „175 guten Taten“ auf. Kolping-Diözesanpräses Wolfgang Kretschmer weist ausgehend vom Evangelium in seiner Predigt darauf hin, dass sich durch gute Taten Türen zu Armen, Türen zur Gemeinschaft und Türen zu sich selbst öffnen.
Der Chor der Kolpingsfamilie Dinkelsbühl brachte mit der musikalischen Gestaltung Schwung in die Messfeier.
Die AfD ist keine Alternative
Walter Fehle, Bundesvorstandsmitglied aus der Kolpingsfamilie Bobingen, überbringt der Versammlung die Grüße der neuen Bundesvorsitzenden Klaudia Rudersdorf, die seit der Bundesversammlung im Herbst 2025 im Amt ist. Die Bundesversammlung hat durch eine Satzungsänderung die Möglichkeit geschaffen, dass Personen ausgeschlossen werden können, die einer Organisation angehören, deren Grundlagen, Werte und Ziele mit denen von Kolping unvereinbar sind. Als erste Organisation, bei der eine gleichzeitige Mitgliedschaft mit Kolping nicht möglich ist, wurde die Alternative für Deutschland (AfD) von der Bundesversammlung festgestellt. Fehle berichtet, dass bereits ein erstes Ausschlussverfahren stattgefunden hat. Er weist auch auf die neu erschienene Orientierungshilfe „Die AfD ist keine Alternative!“ hin.
Die von der Bundesversammlung beschlossenen Änderungen in der Mustersatzung für Kolpingsfamilien werden derzeit mit einer Kommentierung versehen und sollen demnächst erscheinen.
Der Geist von Kolping…
Björn Panne, Geschäftsführer der Kolping Akademie, berichtet den Delegierten, dass auch die Kolping Akademie im vergangenen Jahr ein Institutionelles Schutzkonzept entwickelt und eingeführt hat. In einer einmaligen Kooperation mit der Lebenshilfe Ostallgäu hat die Kolping Akademie zudem die KoLe gGmbH zur Inobhutnahme gegründet. Zusammen mit den Jugendämtern wird in der Einrichtung Kindern und Jugendlichen kurzfristig Schutz in familiären Krisensituationen ermöglicht. Aufgrund politischer Entscheidungen sind die Kurszulassungen und die Teilnehmendenzahlen von Sprach- und Integrationskursen stark zurückgegangen. Panne weist vor allem auf die negativen Folgen für die betroffenen Menschen hin. Erfreut zeigt sich Panne über die ungebrochene Nachfrage an der internationalen Pflegeschule in Kempten durch Schüler*innen aus aller Welt. Allein im vergangenen Jahr gab es 1.000 Bewerbungen auf 32 Plätze. Mit den Partnern ist man übereingekommen und kann jetzt einen zweiten Klassenzug zur Ausbildung von Pflegekräften anbieten. „Der Geist von Kolping weht durch die Einrichtungen“, sagt Panne und dankt vor allem den Ehrenamtlichen sowie Kolping-Diözesanpräses Kretschmer für die enge Verzahnung von Rechtsträgern und Verband.
Diözesanverband mit höchstem Jugendanteil
Ulrike Marcher, stellvertretende Diözesanvorsitzende, berichtet den Delegierten, dass 23,77 % der Kolping-Mitglieder in der Diözese Augsburg der Kolpingjugend angehören. Kein anderer Diözesanverband in Deutschland hat einen höheren Anteil an jungen Mitgliedern. In ganz Deutschland liegt der Jungendanteil bei 17,38 %.
Einen wesentlichen Anteil daran haben die Kolpingsfamilien. Marcher ehrt deshalb im Namen des Diözesanvorstandes die Kolpingsfamilien Blonhofen-Aufkirch, Bobingen, Dietmannsried, Legau, Neuburg und Peißenberg, die prozentual und in absoluten Zahlen die ersten drei Plätze beim Mitgliederzuwachs belegt haben, und überreicht ein kleines Präsent.
Grüße aus der Diözese, Ungarn und Bayern
Dominik Zitzler, Verbändereferent des Bistums Augsburg, lobt in seinem Grußwort die Kultur des Miteinanders und der Achtsamkeit bei Kolping und in der Zusammenarbeit mit dem Bistum. Er ermutigt die Delegierten, den Weg der Reformen voranzutreiben. Herzlich begrüßt er Miriam Busch und Tobias Mairle als neue Mitarbeitende beim Kolpingwerk.
Dr. Nelu Bradean-Ebinger aus Budaörs überbringt die Grüße des Kolping-Partnerverbandes in Ungarn und berichtet von der Hoffnung, dass sich durch die ungarischen Parlamentswahlen Mitte April der Blick Europas auf sein Land verbessert. Er lädt die Delegierten herzlich nach Ungarn ein.
Kolping-Landesvorsitzende Dorothea Schömig aus der Diözese Würzburg bedankt sich für die gute Zusammenarbeit der bayerischen Kolping-Diözesanverbände vor der Bundesversammlung im Herbst. Sie lädt zur Landeswallfahrt am 3. Oktober nach Freising ein und berichtet von der Landesversammlung Anfang Juli in Würzburg, zu der der bayerische Innenminister Joachim Herrmann als Referent zugesagt hat.
Einladung zu Veranstaltungen
Die Diözesanleitung der Kolpingjugend bittet die Delegierten, für den Kindertag am 27. Juni in Schwabmünchen, für die Wissensimpulse für Gruppenleitungen am 18. Juli und 19. September sowie für das Jugendtreffen in Ungarn vom 24. bis 27. September im Kolping Hotel Spa & Family Resort in Alsópáhok Werbung zu machen.
Geistliche Leiterin Sabine Eltschkner weist auf die Busangebote zur Kolping-Landeswallfahrt aus den Bezirken und Kolpingsfamilien hin und bittet um rechtzeitige Anmeldung im Diözesanbüro. Neben der Fuß- und Radwallfahrt gibt es auch ein Jugendevent. Gaby Schöner aus der Kolpingsfamilie Fischach lädt noch zum Projektchor beim Wallfahrtsgottesdienst im Freisinger Dom mit Erzbischof Dr. Reinhard Kardinal Marx ein.
Erwin Fath, Pate für die Partnerschaft mit Kolping-Ungarn und Kolping-Landesvorsitzender, bietet vom 9. bis 14. Oktober 2026 eine Fahrt zum 30-jährigen Jubiläum des Kolping Hotel in Ungarn an. Bei mehreren Ausflügen kann man mit ihm die Gegend um den Plattensee kennenlernen.
Siehe auch
- Mehr zu Prävention von (Kindes-)Wohlgefärdung auf dieser Seite
- Mitmachprojekt 175 gute Taten
- Orientierungshilfe AfD
- Kolping-Landeswallahrt am 3. Oktober 2026 nach Freising
- Diözesaner Kindertag in Schwabmünchen
- Wissensimpuls für Gruppenleitungen
- Jugendtreffen in Ungarn
- Reise zum Jubiläum Kolping Hotel Ungarn

















