Wir sind in Deutschland stolz auf unsere offene und demokratische Gesellschaft – doch wie viel Intoleranz, Rechthaberei und Bösartigkeit spielt sich wirklich in Schule, Beruf und auch in gut situierten Wohnvierteln zwischen Blumenbeet und Rasenmäher ab?
Meinungsverschiedenheiten und handfeste Streitigkeiten unter Nachbarn beschäftigen seit Jahren mit steigender Tendenz Gerichte, Versicherungen und Therapeuten. Grund genug für den Betreuer, Theologen und Ex-Kabarettisten Manfred Dempf aus Buchloe, sich des Themas anzunehmen und ein Stück zu schreiben, das nun unter dem Titel „Nette Nachbarn“ auf der Kolping-Bühne seine Premiere erlebte.
Regisseur Martin Lederle hatte in monatelanger Probenarbeit die insgesamt elf Darsteller, die über unterschiedlich viel Bühnenerfahrung verfügen – vom Routinier bis zum absoluten Neuling – auf ihre Rollen vorbereitet. Den Schauspielern gelang es bei der Premiere, die unterschiedlichen Charaktere mit Leben, Tiefe, Differenziertheit zu füllen. In der Mischung aus Live-Sitcom, klassischem Boulevardstück, Psycho- Kammerspiel und Krimi-Klamotte dreht sich alles um die Frage: „Wie ekelt man systematisch neue Nachbarn weg?“ Im Bussardweg wohnen seit vielen Jahren die Familien Adler, Geier und Habicht. Das Leben könnte so schön sein, wären da nicht diese störenden asozialen Nachbarn, die immer wieder neu zuziehen. Leute wie etwa die Familie Maus. Oma, Vater und Tochter. Unheimlich und undurchschaubar. Die müssen schnellstens wieder weg, beschließen die alteingesessenen Familien.
Bei der Aufführung werden die Kleinstadt-Klischees bestens bedient. Sonja Wölfle gibt mit ausdrucksstarker Körpersprache die verhuschte, unterdrückte Hermine Adler. Ihr Mann Adolf (Josef Schmalholz) kommt mit Holzfällerhemd und Hosenträgern als Macho daher. Die grüne Latzhose passt perfekt zum Hobbygärtner Fritz Geier (Max Walter), der ständig seinen Rasen mäht, weil ihm „sonst das Gras über den Kopf wächst“. Seine Frau Adelheid (Sigrid Holuba) macht im Dirndl eine gute Figur, während Tochter Nena (Jessica Schiller) mit Fellweste und langen Ketten die modebewusste junge Frau gibt. Das Stück soll zum Nachdenken anregen, wünschte sich zu Beginn der Premiere Kolpingvorsitzender Matthias Fack. Nachdenken über unseren Umgang mit Andersartigem – sei es in Form von Kleidungsgeschmack, Hobbys, ungewöhnlichen Berufen bis hin zu Alter und Behinderung. Das ist Dempf und der Buchloer Kolping-Truppe gelungen. Ob auch die Familien Geier, Adler und Habicht bei ihrer Mission, die Nachbarn zu vertreiben, erfolgreich waren?
Weitere Aufführungen
sind an den Samstagen, 4. und 11. Februar, Freitag, 17., Samstag, 8., Freitag, 24., sowie Samstag, 25. Februar. Zusatzvorstellungen finden am Freitag und Samstag, 2. und 3. März, statt. Beginn ist jeweils um 20 Uhr im Kolpinghaus.
Kartenreservierung
Täglich von 15 bis 19 Uhr bei Margarete Süß, Telefon (08241) 911623.
Lucia Buch u. Claudia Götting / Buchloer Zeitung
03.02.2012